Frauenfrühstück 11.06.2026

Dem Wind trauen – im Sturm glauben!
Frauenfrühstück am 11. Juni 2026 mit Frau Renate Zegowitz/Schönstatt-Frauenbund
Zu Beginn sagen wir das Lied: Meine Hoffnung und meine Freude.
Danach stellte Frau Zegowitz die Person Gertraud von Bullion als Frau des Anfangs der Frauenbewegung von Schönstatt vor, zumal bis zum Jahre 1920 nur Männer in der Schönstattbewegung tätig waren. Sie lernte die Apostolische Bewegung von Schönstatt im Ersten Weltkrieg bei ihrem Dienst als Rote-Kreuz-Schwester in Belgien kennen.
Doch zunächst zum 11.Juni. Frau Zegowitz nennt ihn den Gertraud-Tag, denn am 11.Juni 1930 starb Gertraud von Bullion im Alter von 39 Jahren an den Folgen einer Tuberkuloseerkrankung. Die letzten Monate ihres Lebens verbrachte sie im Krankenhaus in Isny im Allgäu, war innerlich aufgewühlt, erlebte aber letztlich immer wieder die Liebe und Sorge des barmherzigen Vatergottes – stürmische Zeiten für Gertraud! In ihr wächst der Glaube und das Vertrauen an Gott unseren himmlischen Vater.
Bereits im Jahre 1921 erhielt Gertraud die Diagnose, dass sie an Tuberkulose erkrankt ist. Im Dienst als Rote-Kreuz-Schwester hatte sie sich mit dem Bazillus angesteckt. In den folgenden Jahren musste sie immer wieder zur Kur oder ins Krankenhaus, wo sie vor 96 Jahren am 11.Juni 1930 verstarb. Der Todeskampf war Gertrauds letzter Sturm, in den sie hineingestellt worden war, der sie in die Ewigkeit, in die Barmherzigkeit des himmlischen Vaters geführt hat.

Dem Wind trauen – im Sturm glauben! Wir haben alle Erfahrungen mit Wind und Sturm gemacht. Der Wind weckt in uns angenehme und wohlwollende Gefühle. Stürme, denen wir ausgesetzt sind, wecken in uns andere Gefühle, wobei wir uns da manchmal fragen: Wie ist es mit Gottes Gegenwart im Sturm meines Lebens? Derzeit herrscht ein rauer Wind auf unserer Welt: Kriegen stehen wir hilflos gegenüber und machen uns Angst im Blick auf die eigene Zukunft. So manche Stürme in unseren Familien, in unserer Nachbarschaft müssen wir aushalten. Denken wir an die Stürme in der Kirche, in unseren Pfarrgemeinden, wobei wir uns fragen: Welche Rolle spielt Gott im Leben der Menschen? Es gibt aber auch Stürme in mir, in meiner Seele, in meinem Herzen: Eine lebensbedrohliche Krankheit, Sorgen mit Blick auf die Zukunft, das Verhalten der Kinder oder Enkel, die andere Wege gehen.
Wie können wir die Stürme nicht nur überstehen, sondern innerlich daran wachsen?
Schauen wir diesbezüglich auf das Leben Gertraud von Bullions. Sie war eine Frau, die ganz in Gott beheimatet war, die im Glauben Sicherheit gefunden hat, die wusste, wer sie war, Kind Gottes. Aus dieser Gesichertheit in Gott, im Vertrauen auf seine Vatersorge, konnte sie die Ungesichertheiten ihres Lebens bestehen. Gertrauds Leidenschaft war, Gott und den Menschen zu dienen. Dies wollte sie in der konkreten Nachfolge Jesu in einer Ordensgemeinschaft als Missionsschwester verwirklichen. Ihre Pläne wurden durch ihre Familie sowie durch unsichere politische Verhältnisse durchkreuzt. In einem Brief schreibt sie: „…also lasse ich den Vater im Himmel sorgen! … ich strebe nach kindlicher, vertrauender Sorglosigkeit.“ Diese Worte zeigen ihren tiefen unerschütterlichen Glauben an die Sorge des Vatergottes. Sie will Kind sein und den Vater sorgen lassen. Wie konnte dieser Glaube und dieses Vertrauen in ihr wachsen? Einen nachhaltigen Einfluss auf die religiöse Erziehung von Gertraud hatte ihre Taufpatin sowie der Besuch der Schule der Maria Ward Schwestern und später in den Internaten der Sacre Coeur Schwestern. Ein anderer wesentlicher Gesichtspunkt war die Annahme ihrer Krankheit und das damit verbundene Leid. So bezeichnet sie die Wochen des Krankseins als „Gnadenzeit,… wo die Seele so allein war und die Ruhe und Stille die Gedanken ganz von selbst zu Gott lenkten!“ Diese innere Gottverbundenheit ist letztlich eine Gnadengeschenk Gottes, das Gertraud angenommen hat und wachsen und reifen ließ für die Stürme des Lebens.
Im Glauben und Vertrauen zu wachsen ist ein Prozess, der das ganze Leben umfasst. Täglich dürfen wir neu anfangen in der Gewissheit, dass Gott an unserer Seite steht und alle Wege mit uns geht, dass wir Kinder Gottes sind, dass der Vatergott für uns sorgt und uns täglich im „leisen Säuseln“ des Windes seine Aufmerksamkeit schenkt und dass wir im Liebesbündnis mit Maria eine starke Verbündete haben.
Am Schluss beteten wir das schöne, schlichte Vertrauensgebet, das Pater Kentenich uns schenkte:
Ich bau auf deine Macht und deine Güte, vertrau aus sie mit kindlichem Gemüte. Ich glaub, vertrau in allen Lagen blind auf dich du wunderbare und dein Kind.
Rita Voss